ellog - Das E-Learning-Logbuch

Herzlich willkommen auf dem E-Learning-Logbuch des Medienzentrums der TU Dresden!

Wir informieren an dieser Stelle aktuell über die E-Learning-Angebote und -Services des Medienzentrums, das als zentrale Einrichtung der TU Dresden den Einsatz von E-Learning unterstützt und begleitet. Unser Angebot richtet sich vorrangig an alle E-Learning-Akteure der TU Dresden, aber auch an alle EL-Partner an Universitäten, Hochschulen sowie externen Einrichtungen, wie der Bildungsportal Sachsen GmbH.

Montag, 18. August 2014

Erfahrungen mit E-Teaching an der TU Dresden – Interviewserie – Teil 7: Prof. Dr. Thomas Köhler


Prof. Dr. Thomas Köhler vom Institut für Berufspädagogik
Prof. Dr. Thomas Köhler vom Institut für Berufspädagogik

Prof. Dr. Thomas Köhler hat seit 2005 die Professur Bildungstechnologie am Institut für Berufspädagogik der Fakultät Erziehungswissenschaften inne. Darüber hinaus ist er seit mehreren Jahren Direktor des Medienzentrums der TU Dresden und Sprecher des Arbeitskreis „eLearning“ der Landesrektorenschulkonferenz Sachsen.

Die meisten Dozenten arbeiten mittlerweile mit OPAL und verwalten darüber ihre Kurse. Welche E-Teaching-Verfahren haben Sie außer der Onlineplattform bisher in Ihrer Lehre eingesetzt?

OPAL ist auch für mich die Grundlage. Zudem werden meine Vorlesungen seit einigen Jahren durch Videoaufzeichnungen begleitet. Mit Unterstützung des Medienzentrums und der Infrastruktur, die wir hier im Bildungsportal Sachsen haben, konnten wir über mehrere Semester hinweg schrittweise die beiden Hauptveranstaltungen aufzeichnen. Auf Grundlage dieser Mitschnitte gibt es für jede Lehrveranstaltung, wie bei vielen anderen Dozenten auch, Kurs-Bereiche auf OPAL, über die die Einschreibungen und Studiengruppen verwaltet und die Materialen distribuiert werden. Wenn wir Sitzungen tatsächlich vollständig online durchführen ist es auch so, dass die Studierenden Kommunikationswerkzeuge untereinander, mit mir als Dozenten, den Tutoren und anderen Lehrkräften einsetzen. Für Online-Sitzungen gibt es dann digitale Unterlagen mit speziellen Instruktionen und einen passenden Videomitschnitt aus dem vergangenen Semester. Manchmal machen wir auch einen Live Chat, bei dem Studierende ihre Fragen stellen können und ich diese kurzfristig zu beantworten versuche.

Für das Erstellen von E-Teaching-Inhalten, die über die tägliche Arbeit mit OPAL hinaus gehen, sind oft studentische Hilfskräfte und andere Mitarbeiter nötig. Hatten Sie bei der Erstellung der Videomitschnitte auch Unterstützung?

Für das Aufzeichnen von Vorlesungen bzw. allgemein die Herstellung bestimmter multimedialer Objekte braucht man tatsächlich Fachpartner mit technischer Kompetenz, die Arbeitskraftaufwand leisten können. Deswegen haben wir die Vorlesung auch über mehrere Semester hinweg mit Hilfe von studentischen Hilfskräften aufgezeichnet, weil es immer mindestens einer zweiten Person bedarf, die den Dozenten begleitet und dies ausführt.

Neben einer gewissen Zeitersparnis und dem bequemeren digitalen Umgang mit Kursmaterialien gibt es bei Dozenten verschiedene Motivationen, E-Learning-Angebote in die Lehre zu integrieren. Was waren Ihre Ziele?

Zum einen habe ich das Ziel der Kompetenzentwicklung, das heißt ich will für Studierende Medienkompetenzen und Mediennutzung erlebbarer machen. Da die Studierenden, die ich ausbilde, in der Regel im Lehramt in der beruflichen oder allgemeinschulischen Ausbildung oder im Management von Bildungsinstitutionen und -prozessen ihren Abschluss suchen, brauchen sie ein gewisses Maß an Selbsterfahrung. Sie müssen selber einschätzen und reflektieren können, was es bedeutet, online gestützt zu lernen. Der zweite Punkt, der mir auch wichtig ist, ist dass meine Lehre in einer zeitgemäßen Form den Bedürfnissen der Studierenden entgegen kommt. Die Qualität der Lehrveranstaltung und des Lernens sollen befördert werden, sodass sich bessere Klausur- und Prüfungsergebnisse erzielen lassen bzw. die Studierenden eine Vielfalt und Individualisierbarkeit von Lernwegen zur Verfügung haben. Wir wissen aus Statistiken, dass die Nachfrage nach Online-Angeboten oder auch Vorlesungsmitschnitten besonders dann nach oben geht, wenn Studierende anfangen, das Material vor einer Klausur nachzuarbeiten. Wenn dann tatsächlich etwas zur Verfügung steht, ist das natürlich eine Möglichkeit, eine bessere Studienqualität zu erzielen und auf studentische Bedürfnisse mit einem Qualitätsaspekt einzugehen.

 E-Teaching-Angebote scheinen von den Studierenden häufig als hilfreiches Zusatzangebot zur Präsenzlehre wahrgenommen zu werden. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Studierenden?

Das würde ich differenziert sehen. In der reinen Online-Sitzung stellen manche fest, dass es durchaus herausfordernd ist, dabei zu bleiben. Ich bin der Meinung, das deckt sich in hohem Maße auch mit dem, was von Kollegen und in der Fachliteratur beschrieben wird. Insofern ist der Kontext meiner Vorlesungen ja auch einer, bei dem Präsenz mit Onlineanteilen gemischt ist. Andererseits ist es so, dass mit einer Zurverfügungstellung der Onlinematerialien tatsächlich auch die Teilnahme in Präsenz sinkt. Das hängt meistens davon ab, ob die Vorlesung, in der ich die Materialien einsetze, für die Studierenden mit einem Leistungsnachweis verbunden ist oder nicht. Leider habe ich bisher keine Statistiken zur Notenverbesserung seit dem Einsatz meiner E-Teaching-Angebote erhoben, ich weiß aber aus Studien, dass insbesondere diejenigen, die sich im mittleren und unteren Leistungsniveau befinden und für die möglicherweise das Bestehen der Vorlesung kritisch gewesen wäre, stärker davon profitieren, da sie Inhalte wiederholen oder üben können.

Es herrscht scheinbar Einigkeit darüber, dass die tägliche Arbeit mit OPAL den Dozenten die Arbeit erleichtern kann, das Erstellen von E-Teaching-Inhalten darüber hinaus aber besonders viel Zeit und Arbeit kostet. Können Sie das bestätigen?

Tatsächlich ist mit OPAL vieles niederschwellig erreichbar und reduziert sogar Arbeitsaufwand. Die Darstellung bestimmter Zusammenhänge mit didaktischer Motivation, also mittels einer Animation oder anderer Multimediaprodukte, passieren jedoch nicht nebenbei, sondern das sind eigenständige Medienprojekte, für das man Fachautoren und Medienproduzenten braucht, die das umsetzen helfen. Ich sehe auf der anderen Seite auch eine Herausforderung für die Kompetenz der Dozenten, die natürlich sehen müssen, und das betrifft mich persönlich natürlich auch, ob sie mit den angebotenen Werkzeugen auch umgehen können. Das funktioniert natürlich nur gut, wenn man das ausreichend häufig macht. Man muss wissen, wann man den E-Learning-Support ansprechen oder wissenschaftliche und studentische Mitarbeiter kontaktieren kann. So ganz alleine wäre das e-Learning nicht sinnvoll. Ich glaube aber nicht, dass es einen so großen Unterschied zur klassischen Präsenzlehrveranstaltung gibt, weil man auch dort darauf baut, dass man eine gewisse Unterstützung erhält, sie es bei Experimenten oder der Verteilung der Skripte.

Diejenigen, die einen ersten Schritt in Richtung E-Learning gemacht haben, wollen danach meistens Ihr Angebot ausbauen. Haben auch Sie bereits Pläne für neue E-Teaching-Angebote?

Wir haben vor Jahren mal elektronische Klausuren gehabt und jetzt lange Zeit nicht mehr verfolgt. Nachdem die letzte Semesterpause einen relativ hohen Korrekturaufwand mit sich brachte, steht das wieder oben auf der Tagesordnung. Dort sehe ich auch einen großen Vorteil darin, dass ich bei Klausuren, die mit freiem Text arbeiten, die Handschrift der Studierenden kaum lesen kann. Da ist natürlich eine digitale Variante deutlich besser.

Zu wenig Zeit, kein Geld für studentische Hilfskräfte, unzureichend Wissen über Online-Werkzeuge – Gibt es noch andere Gründe, die eine umfangreichere Verbreitung von E-Learning an der Uni verhindern?

Das materielle Problem sehe ich nicht im Vordergrund, aber das liegt vielleicht auch daran, dass Online-Arbeit in meinem Fachgebiet eine Grundlage ist. Ein Problem ist, dass die Nutzung von Materialien und Lernobjekten, bei denen die Autorenschaft oder Lizensierung nicht vollständig geklärt ist, eine Grauzone ist, bei der wir als Dozenten uns nicht als Experten für rechtliche Aspekte fühlen. Bei den allermeisten ist das nicht wirklich eine gut entwickelte Kompetenz und es gibt ja auch viele Diskussionen, ob sich das Urheberrecht ändert oder nicht. Das ist sicher eine Frage, die der Integration von E-Learning-Angeboten zusätzlich im Wege steht.

 Wie können Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote angesichts dieser Schwierigkeiten helfen, die E-Teaching-Lage zu verbessern?

Was bisher fehlt ist eine systematische Integration in das Handeln als Lehrkraft. Die Weiterbildung an der Hochschule wird eher auf das pädagogische Unterstützungspersonal wie Tutoren abgedrängt. Es ist nicht der Professor oder Dozent, der die Weiterbildung wahrnimmt und das sagt etwas über die Wertigkeit von E-Learning respektive die Rolle der Hochschuldidaktik aus. Es ist wichtig, Angebote zu machen, die auch systematisch die Hauptlehrkräfte qualifizieren bzw. deren Profil weiterentwickeln und didaktische Qualifizierung ist bisher leider stiefmütterlich behandelt worden. In Sachsen ist es immer noch fakultativ, das bedeutet, dass hauptsächlich nur diejenigen, die Interesse daran haben, es machen. Man muss also zunächst die grundsätzliche Frage stellen: Welchen Stellenwert hat E-Teaching eigentlich? Dann müsste man im nächsten Schritt schauen, ob die Kapazitäten ausreichen, wenn viele Lehrkräfte das auch aus gutem Grunde in Zukunft wahrnehmen. Als einen wirklichen Anreiz, E-Teaching-Anteile in der eigenen Lehre auszubauen, gibt es hier an der TU Dresden den Multimediafonds, der dies prämiert und helfen kann, einen Anfang zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch.